2018 Herbstkonzert

Serenata Española

Sonntag, 18.11.2018 um 17 Uhr in der Stadthalle Metzingen

  Plakat Flyer Programm • Kritiken 

Luigi Boccherini (1743 – 1805): „Musica notturna delle strade di Madrid“ op. 30 Nr. 6

  • Le campane de l’Ave Maria
  • Il tamburo dei Soldati
  • Minuetto dei Ciechi
  • Il Rosario (Largo assai, allegro, largo come prima)
  • Passa Calle (Allegro vivo)
  • Il tamburo
  • Ritirata (Maestoso)

 

Foto: Steffen Brunner

Joaquin Rodrigo (1901 – 1999): „Fantasía para un Gentilhombre“ für Gitarre und Kammerorchester

1. Villano y ricercar
2. Españoleta y fanfarria de la caballeria de Nápoles
3. Danza de las hachas
4. Canario

Solo: Peter Graneis, Gitarre

Juan Crisóstomo de Arriaga (1806 – 1826): „Sinfonia a gran orquesta“ in d-Moll

  • Adagio-Allegro
  • Andante con moto
  • Minuetto Allegro
  • Allegro con moto

Leitung: Oliver Bensch

„La Musica Notturna delle Strade di Madrid“, die Luigi Boccherini im Jahr 1780 komponierte, versetzt den Zuhörer in das lebendige Treiben, das der Komponist abends in den Gassen Madrids erlebte. Die Kirchenglocken läuten zum Abendgebet, Volkstänze, die die begeisterte Jugend tanzt, mischen sich mit den Gesängen der Bettler, virtuoses Violinspiel tönt aus einem geöffneten Fenster, bis die Trommeln der Nachtwache das bunte Treiben in den Gassen beenden und die Straßen schließen.
Ohne dieses quirrlige abendliche Treiben in einer spanischen Stadt selbst erlebt zu haben, könnten weder Musiker noch Publikum dieses Stück verstehen und die Absichten des Komponisten nachempfinden, war die Meinung Boccherinis.
„Ich weiß gut, dass die Musik dazu dient, zum Herzen des Menschen zu sprechen, und das versuche ich zu erreichen, wenn ich kann. Die Musik ohne Affekte und Leidenschaften ist bedeutungslos. Daraus ergibt sich, dass der Komponist nichts ohne die ausführenden Musiker erreicht. Es ist notwendig, dass diese dem Autor gewogen sind, und dann müssen sie im Herzen all das empfinden, was dieser notiert hat; zusammenkommen, proben, untersuchen, schließlich den Geist des Autors studieren, dann seine Werke ausführen. Wenn sie dann beinahe den Komponisten in den Schatten stellen, …. ist das zwar eine Auszeichnung, aber noch mehr bedeutet mir, wenn man sagt ‚Wie himmlisch haben sie es gespielt!‘“
Bekannt wurde Boccherinis Nachtmusik z.B. in dem Film „Master und Commander – Die ferne Seite der Welt“, wo Kapitän und Schiffschirurg dieses wundervolle Solo von Cello und Violine spielen.

Zurück zum Seitenanfang

Die „Fantasia para un gentilhombre“ wurde 1954 eigens für den spanischen Gitarristen Andrés Segovia, dem hier wohl der Titel des „gentilhombre“, des Gentlemen zukommt, komponiert. Die Fantasia zählt zu den bekanntesten Werken Joaquín Rodrigos.
Nach ersten Erfolgen in Valencia und Madrid ging Rodrigo in den Zwanziger Jahren nach Paris, um bei Paul Dukas zu studieren. In Paris begegnete er auch Manuel de Falla, der seinen Kompositionsstil stark beeinflusste. Da Joaquin Rodrigo schon früh erblindete, was im allgemeinen dazu führt, dass man dann besser „mit den Ohren sehen kann“, entwarf er viele seiner über 160 Kompositionen in Blindenschrift. Seine Frau, die Pianistin Victoria Kamhi, arbeitete sie dann weiter aus.
Rodrigo verarbeitete in dieser Fantasie für Gitarre und Orchester volkstümliche Motive aus Kompositionen des spanischen Virtuosen für Gitarre, Pädagogen und Komponisten Gaspar Sanz, der in der Zeit des Barock von 1640 bis 1710 lebte. Sanz war der Verfasser einer der frühesten Gitarrenschulen.
So entstand ein charmantes, unkonventionelles Werk, das unverkennbar die Tanzmusik des Barock auf eine mitreißende und stürmische Weise widerspiegelt. Die Eröffnung trägt den Titel „Villano y Ricercare“; Das Villano-Thema ist zu Beginn in den Violinen zu hören, und die Ricercare wurde von Rodrigo nach Sanz‘ Skizzen fertig gestellt. Im zweiten Satz „Españoleta y fanfarria de la caballería de Nápoles“ wird das spanische Thema, welches zuerst in den Streichern zu hören ist, fantasievoll von der Gitarre variiert.
Im „Danza de las Hachas“, dem Tanz der Äxte bewegt sich die Gitarre zwischen Solo- und Begleitrolle. Die Fantasie endet mit einem mitreißenden „Canario“, einem Volkstanz im 6/8-Takt, der den Ruf eben dieses Vogels nachahmt. Sie wurde auch von Emerson, Lake & Palmer, die gern klassische Themen mit mehr „drive“ auswählten, auf dem Album „Love Beach“ veröffentlicht.

Zurück zum Seitenanfang

Wegen seiner erstaunlich ausgereiften kompositorischen Fähigkeiten wird Juan Crisóstomo de Arriagas „Sinfonia a gran orquesta“ gern mit Beethoven oder Schubert verglichen, obgleich die europäische Romantik zu der Zeit, als er dieses Werk komponierte, die iberische Halbinsel noch nicht erreicht hatte.
Die Modulationen und völlig unerwarteten chromatischen Entwicklungen von D-Dur und d-Moll zeugen von einer frühen Schaffenskraft, die selbst seinen Lehrer Cherubini, Inspektor am Pariser Konservatorium in großes Erstaunen setzte.
Ähnlich wie Mozart war der aus dem Baskenland stammende Juan Crisóstomo de Arriaga eine außerordentliche Frühbegabung, er komponierte schon mit 11 Jahren das Divertimento Nad y mucho.
Da sein Vater für den damals sechzehnjährigen Jungen in Spanien keine weitere Fördermöglichkeiten mehr sah, brachte er ihn, ausgestattet mit einer Amati Geige, zur weiteren musikalischen Ausbildung nach Paris.
Dort schuf er im Alter von 16 Jahren drei Streichquartette, die als seine wichtigsten Werke gelten. Sie sind von einer Reife des Ausdrucks und Dichte des Satzes, dass man die Skepsis Cherubinis nachvollziehen kann und geneigt ist, dahinter einen geübten größeren Meister zu vermuten.
Leider wurde die musikalische Entwicklung Arriagas, von der man sich noch viel versprechen konnte, viel zu früh beendet. Er starb bereits im Alter von 19 Jahren an der Schwindsucht.
Zu den, teilweise leider verschollenen Werken, welche Arriaga fertig stellen konnte, gehört auch die „Sinfonia a gran orquesta“ aus dem Jahre 1824, die in einer Weise zwischen D-Dur und d-moll changiert, dass man nicht so recht weiß, in welcher Tonart sie steht. Auch dieses Werk zeigt eine erstaunliche Versiertheit im Umgang mit dem musikalischen Material und einen sehr spezifischen Tonfall, den manche als baskisch charakterisiert haben. Das Werk, das formal die klassische viersätzige Form mit langsamer Einleitung hat, steht stilistisch zwischen Klassik und Frühromantik. Es weist jene melancholisch gefärbte elegante Haltung auf, welche die Werke Arriagas allgemein charakterisiert.

Texte: Heike Hahn und Martin Korzer (mit Quelle Klaus Heitmann)
Zurück zum Seitenanfang

Foto: Alex Wunsch

Peter Graneis, geboren in Ostfildern, erhielt seinen ersten Gitarrenunterricht bei Albrecht Niederberger. Bereits im Alter von 17 Jahren nahm er das Jungstudium an der Musikhochschule Stuttgart auf, wo er später sein Bachelorstudium bei Prof. Johannes Monno aufnahm und mit Auszeichnung abschloss. Mithilfe eines Stipendiums des Deutschen Akademischen Auslandsdienstes folgte ein Masterstudium in Barcelona und Den Haag bei Prof. Zoran Dukić.
Im Sommer 2017 erschien seine Debut-CD ‘Portrait’ beim Hamburger Label TREKEL Records. Graneis ist außerdem Preisträger und Gewinner verschiedener, internationaler Wettbewerbe.

 

 

Foto: Bernhard Krause

Oliver Bensch, geb. 1964
Studium Violine/Viola an der Musikhochschule Hannover (u.a. bei Roman Nodel und Oscar C. Yatco).
Dirigieren bei Gudni Emilsson in Trossingen und Wolfgang Heinz, Staatsoper Stuttgart. Europaweite Tourneen als Geiger und Bratscher in verschiedenen Ensembles, sowie Teilnahme u.a. bei den Festivals in Salzburg, Millstadt, Bregenz, Hersfeld und Ludwigsburg.
Gründer und Konzertmeister des „Orchester op. 7“ in Nordrhein-Westfalen.
Mitwirkung bei Produktionen der Staatstheater in Hannover, Braunschweig und Innsbruck. Umfangreiche Studioarbeit und Mitwirkung bei CD-Produktionen (u.a. Randy Crawfort und Elsbeth Moser).
1999 – 2012 Dirigent der „Jungen Sinfonie“ Freiberg/Neckar.
Seit 2006 künstlerischer Leiter des Kammerorchesters Metzingen.
Seit 2012 hauptamtlicher Dozent für Violine und Viola, Kammermusik, Dirigieren, Orchesterleitung und Gehörbildung an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg.

Zurück zum Seitenanfang